Café WOGE

Seit April 2005 findet in etwa 14-tägigem Rhythmus ein Samstagstreff für Menschen mit Demenz zusammen mit ihren Angehörigen und in der WOGE Engagierten statt. Das Café WOGE dient zum einen dem Erfahrungsaustausch unter Angehörigen – zum anderen bietet es die Möglichkeit, in einer schönen und ungezwungenen Atmosphäre gemeinsam etwas zu unternehmen und einen entspannten Nachmittag miteinander zu verbringen. Das Café WOGE findet in den Kirchenräumen OASE, Vaubanallee 11, 79100 Freiburg statt.

Hier ein kleiner Eindruck von einem Nachmittag:

Im Café WOGE

Kaum sind die Tische aufgestellt, kommen die ersten Gäste. Aber was heißt „Gäste“? Alle sind Beteiligte und haben gleich etwas zu tun. Bunte Tücher werden als Tischdecken ausgebreitet, Blumen aus eigenem Garten werden in Vasen arrangiert. Herr L. verteilt Tassen und Teller, das klappt nicht so recht, Herr L. hat Demenz - aber mit etwas Unterstützung und viel Geduld landet jede Tasse neben einem Teller. Seine Frau schneidet derweil den selbstgebackenen Kuchen auf. Aus der Küche kommt Kaffeeduft. Mit einem Rührgerät wird Sahne geschlagen. Heute ist es sehr heiß, so gibt es als Aperitif erst mal ein Glas Sprudel. Frau D. hat zum ersten Mal ihre Mutter, Frau M. mitgebracht. Sie hat eine beginnende Demenz und fühlt sich in der Runde gleich wohl – für die Erzählungen von früher findet sie interessierte Zuhörer. Niemand stört sich daran, wenn sie ein wenig den Überblick verliert und sich wiederholt.

Zusammen Kaffee trinken und Kuchen essen gehörte früher zum Samstagmittag – dann konnte es Sonntag werden. Daran knüpft das „Cafe WOGE“ an. Das Rezept scheint einfach: Sich treffen, miteinander Kaffee trinken, plaudern und mal schauen, was sich an gemeinsamen Interessen entwickelt. Und es scheint aufzugehen. Der äußere Rahmen ist ideal: Die Kirchenräume im Vauban werden dankenswerterweise von der Gemeinde St. Peter und Paul zur Verfügung gestellt. Es gibt keine Veranstalter, die ein Programm vorbereitet haben, genauso wie es keine Gäste gibt, die sich an den gedeckten Tisch setzen können.

Heute ist auf dem Marktplatz gegenüber eine Pflanzen-Tauschbörse im Gang. Die Gruppe beschließt, vor dem Kaffeetrinken noch eine Runde über den Marktplatz zu schlendern. Frau L. geht nicht mit und will lieber ein wenig die Füße hochlegen. Ihr Mann schließt sich ohne Probleme Frau K. von der WOGE an, er hat sie beim letzten Treffen bereits kennen gelernt. So kann es Frau L. genießen, für 20 Minuten einmal für gar nichts zuständig zu sein – eine kleine Unterbrechung ihres Betreuungsalltags.

Zurück vom Rundgang gibt es bei Kaffee und Kuchen viel Gesprächsstoff, auch über „Samstagnachmittag-Kuchenerfahrungen“ und Kuchenrezepte. Frau  M. erzählt vom „Gesundheitskuchen“, den es in ihrer Familie früher gab; anderswo war ein Hefezopf der Einstieg ins Wochenende. Heute gibt es „Wiener Törtchen“ – alle sind beschäftigt, die kleinen Tortenböden mit verschiedenen Zutaten zu belegen. Es entstehen leckere individuelle Kunstwerke.

Als alle Kuchen probiert und gewürdigt sind, werden die Teller auf die Seite geräumt. An einer Ecke des Tisches entsteht ein Gespräch über Angebote der Sozialstation zur Entlastung. Frau M. hat Spaß daran, „Mensch ärgere dich nicht zu spielen“ und findet gleich Mitspieler. Herr L. will nicht mitspielen, aber zuschauen. Frau S., Mitarbeiterin von WOGE, hat ihren Hund dabei – erstaunlich, wie es Tieren gelingt, Menschen mit Demenz in gute Laune zu versetzen. Im Nu ist es 17 Uhr, Zeit zum Aufbrechen. Aber Halt, erst heißt es zusammen Aufräumen, das Geschirr in die Spülmaschine, die Stühle auf ihre Stapel….. 

Also dann, in 14 Tagen sehen wir uns wieder im Café WOGE!

So oder so ähnlich laufen nun schon seit 10 Jahren die samstäglichen Treffen des Café WOGE ab. Ein Ziel dabei ist immer auch, das Thema „Demenz“ aus dem Abseits zu holen und immer wieder öffentlich zugängliche Anknüpfungspunkte zu schaffen. Obwohl viele Menschen direkt oder indirekt vom Thema Demenz betroffen sind, ist die Scheu für Angehörige groß, Kontakt zu anderen Betroffenen und zu Hilfsangeboten aufzunehmen. So lange es geht, will man das Problem alleine lösen und vielleicht ist es auch „peinlich“, mit einem demenzkranken Menschen unter die Leute zu gehen. So brauchte auch das Cafe WOGE eine gewisse Anlaufzeit bis sich Betroffene am Samstag auf den Weg machten. Oft vergehen mehrere Wochen zwischen einer unverbindlichen telefonischen Kontaktaufnahme und dem ersten Besuch im Café.

Wenn Sie Interesse haben zu kommen, rufen Sie doch einfach an bei Renate Feißt oder Regina Kraus    

Infotelefon: 0157 30 82 36 36

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